Touchscreen im Wohnwagen: Tessera oder ESPControl?

Die Preisentwicklung bei ESP-Bildschirmen mit Touchscreen macht es möglich, ohne größere Kosten auch im Wohnwagen einen Bildschirm zu installieren. Mal eben bei Aliexpress einen 4-Zoll Guiton bestellt, der nach erstaunlich schneller Lieferung in der Packstation lag. Eine manuelle Entwicklung mit einem LVGL-Editor war mir zu aufwendig, also habe ich mich mal nach einem passenden Makropaket umgesehen.

Tessera

Obwohl Tessera noch recht neu ist, waren die Berichte im Netz teilweise geradezu euphorisch. Die Installation ist sehr einfach, wenn man Homeasisstant nativ laufen hat. Wer HA als Dockercontainer laufen hat, sollte aber genug Kentnisse haben, um Tessera als Container zu installieren und in die Oberfläche einzubinden. Bei mir ergaben sich dabei keine Fallstricke. Wer das Paket auf einem schmalbrüstigen Rechner – bei mir ein Pi4B mit 4GB – laufen lassen möchte, sollte als erstes in den Einstellungen eine externe Quelle zum Kompilieren einstellen. Das klappte dann problemlos, das Binärfile läßt sich herunterladen und der Bildschirm war schnell am Hauptrechner geflasht. Er wurde danach auch sofort in Homeassistant erkannt.

Dei Einrichtung der Oberfläche mit den einzelnen Seiten ist dann wirklich einfach, man zieht per ‘Drag and Drop’ die Entitäten auf einen stilisierten Bildschirm, und sieht auch gleich wie es real aussieht, ohne immer gleich die Konfiguration auf den Bildschirm schreiben zu müssen. Das Schreiben einer neuen Konfiguration geht natürlich ’Over the Air”, ebenso das Einspielen einer neuen Firmware. Im folgenden mal ein paar Bilder des Bildschirms:

Das Layout wirkt optisch sehr gelungen. Die Kopfzeile läßt sich noch weitergehend konfigurieren. Bringt man hier z.B. den Sonnenauf- oder Untergang an, ist das Programm so klug, nur das jeweils nächste Ereignis anzuzeigen, um Platz zu sparen. Man kann eine erstellte Konfiguration herunterladen und sichern.

Leider gibt es natürlich auch Nachteile:

  • Man braucht zwingend einen laufenden Container, um den Bildschirm zu nutzen. Stoppt man den Container, funktioniert der Bildschirm spätestens nach einen Spannungsausfall nicht mehr. Das Containerimage in der Version 0.60 belegt 1,07 GB Speicher auf der Platte und ca. 100MB RAM – nicht wirklich wenig.
  • Eher verschwenderischer Umgang mit dem vorhanden Platz auf dem Bildschirm.
  • Das Update-Problem: Tagge ich Tessera auf eine Version, ist schwer abzusehen, was bei Homeassistant-Updates passiert.

ESPControl

Ich habe mich daher noch nach Alternativen umgeschaut und ESPControl gefunden. Es gibt hier fertige Binärdateien für jeden Bildschirm, die nur noch auf dem Schirm geflasht werden müssen, mit anschließender Konfiguration des WLANs. Dann den Bildschirm in HA unter Geräten > ESPHome hinzufügen, fertig. Die Konfiguration erfolgt jetzt auf einer Webseite des Bildschirms durch Anklicken einer Kachel im Raster und Konfiguration der gewählten Entität. Eine Kachel kann auch auf eine Unterseite verweisen, die bei Antippen aufgerufen wird. Man muß etwas suchen, aber es durchaus möglich, in der Kachel für eine Unterseite auch noch eine Entität anzuzeigen. ‘Solar’ z.B. zeigt nicht nur den aktuellen Ladestrom an, sondern ruft bei Antippen die Unterseite mit den wichtigsten Informationen des Laderegler auf, der über Victron2MQTT ausgelesen wird. Leider kann man keine Unterseiten von Unterseiten anlegen. Man muß also ein paar Kompromisse eingehen. Die Kachel ‘Technik’ zeigt zunächst den Netzladestrom an, nach Antippen dann die wichtigsten Daten des Pis, die Innentemperatur des Kühlschranks und die wichtigsten Daten des LTE-Routers. Damit kann ich aber leben. Das Updateproblem erscheint mir hier überschaubar – ist der Bildschirm einmal geflasht, aknn er eigentlich so verbleiben. Da die Kommunikation auf ESPHome basiert, sind Änderungen unwahrscheinlich, die diese Kommunikation brechen.

Foto – kein Screenshot

Nachteile:

  • Deutlich geringere Auswahl an darzustellenden Kacheln.
  • Keine Unterseiten von Unterseiten
  • Kein Übersicht der vorhandenen Seiten (bei Tessera einfach von unten hoch wischen)

Letztendlich ist es egal, welche Lösung man bevorzugt, sie funktionieren beide. Bei Tessera würde ich eher einen größeren Bildschirm wählen.

Mechanik und Elektrik

Zum Einbau habe ich mir einen Montageplatte bei einem 3D-Druckdienst anfertigen lassen. Zum Betrieb braucht der Bildschirm nur 5V, die man hinten über die 8-polige Steckerleiste zuführen kann. Im folgenden ein Foto, damit nicht jeder seinen Bildschirm aufschrauben muß:

Als Stromversorgung habe ich eines der gängigen Chinamodule genommen und die Spannung noch mit einem LC-Glied aus einer 100uH Drossel und zwei Kondensatoren 100uF und 100nF geglättet. Ich tausche meist das Trimmpoti gegen einen gleich großen Festwiderstand aus, so können Erschütterungen nicht die Spannung verändern. Das Display nimmt an 12,6V etwa 150mA auf, im Ruhezustand mit gedimmter Beleuchtung noch etwa 90mA.