Wissenschaftliche – und andere – Texte universell erstellen

Ich wollte einmal meinen Weg zusammenstellen, um Texte für Gutachten oder die Homepage zu erstellen. Dieser Weg ist weder besonders ausgefeilt noch elegant, aber vielleicht findet der Ein- oder Andere doch etwas brauchbares. Ich habe dabei Wert auf eine Verfahrensweise gelegt, die voraussichtlich längere Zeit funktionieren wird.

Etwas Geschichte

Etwa Mitte der 80er Jahre habe ich erstmals angefangen, Texte mit dem PC zu erstellen. Mein erster Versuch war meine Doktorarbeit, auf Lotus 1-2-3, einfach weil mein Doktorvater das auch so machte, und „Heimcomputer“ noch im Stadium der 40-Zeichen Bildschirme waren. Die Möglichkeit, einen IBM-PC in der Uniklinik nutzen zu können, war ein Riesenfortschritt gegenüber der Schreibmaschine. Als Assistenzarzt habe ich begonnen, Gutachten zu schreiben. Diese wurden damals komplett diktiert und von der Sekretärin abgetippt. Da sich viele Stellen immer wiederholten, war das sehr ineffektiv. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon einen Atari ST mit den schönen SM124. Als Drucker war ein Deskjet 500 vorhanden, zusammen mit LaTeX ließen sich ausgezeichnet gesetzte Gutachten erzeugen. Wie sagte mal eine Sekretärin? „Sie haben aber einen tollen Drucker“ – nein, nur ein tolles Satzprogramm.

Später habe ich dann mit Word meine Gutachten erstellt, schon um kompatibel mit den vorhandenen Formatvorlagen zu sein. Vor einigen Jahren – inzwischen längst selbstständig – bin ich dann wieder zurück zu LaTeX gewechselt. Ich schreibe nur noch gelegentlich Gutachten, häufig § 109 SGG Gutachten. Da finde ich es hilfreich, Literatur oder Leitlinien angeben zu können, um ein bestimmte Fragestellung, zu der sich schon mehrere Vorgutachter geäußert haben, zu klären. Das ist mit LaTeX natürlich wesentlich leichter. Bei der heutigen Rechenleistung hat man ja fast ohne Verzögerung das Endprodukt auf dem Schirm und muß nicht mehr wie zu Atari-Zeiten lange warten, bis er endlich alle passenden Fonts gerendert hat.

Texte für die Homepage

Diese habe ich zunächst immer mit dem Editor von WordPress erstellt, nach dem Motto. den Text brauchst Du ja nie wieder an anderer Stelle. Stimmte natürlich nicht – und dann fängt man an Hin- und Herzukopieren. Auch wenn es eigentlich übertrieben ist, gebe ich gerne Literaturstellen an, wo man die bestimmte Schaltung oder die Erklärung findet. Das läßt sich unter WordPress überhaupt nicht automatisieren. Versuche mit BibTex und Papercite ergaben schöne Ergebnisse, bis die Erweiterung nicht mehr gepflegt wurde und mit neueren PHP-Versionen inkompatibel wurde. Hier kann man sich anschauen, wie häßlich das jetzt aussieht.

Irgendwann lief mir dann Pandoc über den Weg. Der Quellcode ist immer noch gut zu lesen – im Gegensatz zu LaTeX – und kann leicht in HTML gewandelt werden. Den HTML-Quelltext fügt man dann auf der Homepage im Editor ein. Braucht man Textteile noch einmal, kopiert man sie einfach in die Pandoc-Datei herein. Michael Kofler hat eine sehr empfehlenswertes Buch zu Pandoc geschrieben.

Formeln bereiten Pandoc keine Probleme, man muß sie zwischen $……$  packen. Wandelt man später in ein PDF um, paßt alles, bei WordPress braucht man die Erweiterung für MathJax und muß im HTML-Code die $……$ gegen \(…..\) tauschen:

$RIAA(f) = \frac{\sqrt{1+(2 \pi f T_3)^{2}}} {\sqrt{1+(2 \pi f T_1)^{2}}*\sqrt{1+(2 \pi f T_2)^{2}}}$

wird dann zu:

\(RIAA(f) = \frac{\sqrt{1+(2 \pi f T_3)^{2}}} {\sqrt{1+(2 \pi f T_1)^{2}}*\sqrt{1+(2 \pi f T_2)^{2}}} \)

 

Literaturdatenbank

Ich nehme dafür Zotero zusammen mit Better BibTeX. Das Plugin läßt sich so einstellen, das es eine Datei mit der Literatur im BibLatex-Format automatisch bei Änderungen exportiert. Ich lege es in das Wurzelverzeichnis meines Repositories. Das erscheint mir auch zukunftsträchtig – sollte Zotero mal nicht mehr existieren, kann man die Datei in eine andere Literaturverwaltung importieren und verliert keine Daten. Außerdem sucht man sich im Zotero Style Repository einen passenden Style aus und legt ihn in das gleiche Verzeichnis. Mein Texte liegen jeweils in Unterverzeichnissen mit sinnvollem Namen. Dann kann man den Text mit folgendem Befehl umwandeln:

pandoc '.\Test.md' -C --bibliography '..\Meine Bibliothek.bib' --csl='..\iso690-author-date-de.csl' -o Test.html

Sämtliche Verweise auf Literaturstellen sind aufgelöst, Erweiterungen auf der Homepage sind unnötig.

Versionsverwaltung

Ob man wirklich eine Versionierung braucht, kann man sicher diskutieren. Aber um seine Texte auf verschiedenen Rechnern zu sychronisieren ist Git schon bequem. Man muß auch kein großen Klimmzüge machen. Ein NAS mit Datenfreigaben, die man unter Windows oder Linux eingebunden hat, dürfte wohl jeder zu Hause betreiben, dafür reicht ja zur Not eine Fritzbox. Man erzeugt sich also lokal auf seinem Rechner ein passendes Verzeichnis und öffnet dort die Git-Bash und gibt folgendes ein:

git init

Nachdem man ein paar Dateien hinzugefügt hat (geht gut mit Visual Studio Code, s.u.) lädt man das Repository mit folgendem Befehl auf dem Server (Wobei H: das Netzlaufwerk ist):

git clone --bare d:\mein\lokales\repo1 h:\Repository\repo1

Das reicht völlig aus, die Dateien auf dem Server kommen in die normale Sicherung, und auf anderen Rechner kann man das ganze leicht herunterladen:

git clone file://h:/Repository

Mehr Aufwand ist nicht nötig. Wenn ich unterwegs bin, kann ich mich eh mittels OpenVPN mit meinem Netz verbinden und habe die Netzlaufwerke zur Verfügung, so daß sowohl ein Pull als auch ein Push funktionieren. Einen Git-Server zu installieren lohnt daher erst bei mehreren Benutzern.

Editor

Hier kann sich jeder natürlich nach Lust und Laune austoben. Ja, EMACS geht auch. Visual Studio Code hat nicht nur eine Live-Vorschau für Pandoc, sondern auch eine nette Erweiterung für Zotero, den „VS Code Citation Picker for Zotero“, mit dem man bequem mit Stichworteingabe sich die passende Literaturstelle heraussuchen und den BibLatex-Verweis im Text einfügen kann. Natürlich beherrscht der Editor auch den Umgang mit Git.

Artikel oder Bücher schreiben

Auch das geht mit Pandoc problemlos, man möge sich mal das Eisvogel pandoc LaTeX template anschauen:

Zitat: „A clean pandoc LaTeX template to convert your markdown files to PDF or LaTeX. It is designed for lecture notes and exercises with a focus on computer science“

Bespiele für ein Literaturangaben

Verweisen wir einfach mal auf ein paar interessante Artikel wie (Lipshitz 1979), (Jung 2005, 1980) oder (Self 1979). Auch (Grell 2002) wollte ich mal wieder lesen.

GRELL, Detlev, 2002. Kurven Kriegen: Entzerrervorverstärker Für Plattenspieler Mit Magnetsystem Zum Selbstbau. c’t Magazin für Computertechnik [online]. 2002. Nr. 13, S. 224–225. Verfügbar unter: https://www.heise.de/ct/artikel/Kurven-kriegen-288350.html
JUNG, Walter G., 1980. Topology Considerations for RIAA Phono Preamplifiers. In: Audio Engineering Society Convention 67 [online]. Oktober 1980. Verfügbar unter: http://waltjung.org/PDFs/Topology_Considerations_for_RIAA_Phono_Preamps.pdf
JUNG, Walter G., 2005. RIAA Phono Preamplifiers. In: Op Amp Applications Handbook. Elsevier. S. 431–446. ISBN ISBN 0-7506-7844-5
LIPSHITZ, Stanley P., 1979. On RIAA Equalization Networks. J. Audio Eng. Soc [online]. 1979. Bd. 27, Nr. 6, S. 458–481. Verfügbar unter: http://www.aes.org/e-lib/browse.cfm?elib=3197
SELF, Douglas, 1979. High-Performance Preamplifier. Wireless World [online]. Februar 1979. S. 40–43. Verfügbar unter: https://worldradiohistory.com/UK/Wireless-World/70s/Wireless-World-1979-02-S-OCR.pdf

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