Loblied auf die Nikon D700

„Wenn ich jemals eine pro­blemlose Kamera hatte, dann die D700. Keine Zicken,
keine Macken, keine Kinderkrankheiten, keine Mätzchen, keine Probleme.“ [1]

Die Entscheidung zum Kauf meiner „neuen“ Kamera war langwierig und – für jemanden mit chirurgisch-nüchternem Blick – mit erstaunlich zahlreichen Umwegen verbunden. Eigentlich war ich weiterhin mit meiner 2011 gekauften D7000 sehr zufrieden. Lediglich der Autofokus könnte manchmal etwas schneller sein, auch die Leistung bei hohen ISO-Zahlen könnte etwas besser sein, beides sind aber eigentlich keine wesentlichen Gründe für einen Neukauf. Langfristig war Vollformat schon auf der Wunschliste, aber dann doch keine D600/610 mehr, sondern das Nachfolgemodell. Dann kam die D750 auf den Markt, und ich war schon enttäuscht. Noch einmal ein kleineres Gehäuse, und ein viel kleineres oberes Display! Schon seit meiner Minolta 7000 und später der F90x ist das obere Display für mich das wichtigere, da schaue ich immer zuerst hin. Erst eine Taste drücken und auf die Rückseite der Kamera blicken, nicht mit mir. Und Klappdisplay? Naja, nett, aber kaum den Aufpreis wert. WLAN? In einer Kamera? Keine Ahnung für was man so etwas braucht. Und für alles auch noch mal mehr Geld ausgeben, nein danke. Dann doch DX Format bleiben, und eine D7200 kaufen? Thom Hogan lobt die Kamera ja zurecht, ich habe mir sogar sein Buch gekauft. Aber wieder fast 1000€ ausgeben, mit einem zu erwartenden Wertverlust von 2/3 in 5 Jahren – gebrauchte D7000 Gehäuse gehen zur Zeit kaum über 300€ weg?

Und selber eine gebrauchte Vollformatkamera kaufen? Ein D600 Gehäuse ist preiswert zu bekommen, falls Ölprobleme vorhanden waren hatte Nikon zumeist schon einen neuen Verschluß eingebaut oder würde es auch noch nachträglich tun. Lediglich das AF-Modul wäre ein weiterer Rückschritt gegenüber der D7000 auf Grund der eng zusammenliegenden Sensoren. Echte Begeisterung stellte sich nicht so recht ein, obwohl es die „vernünftigste“ Lösung gewesen wäre. Als ich dann beim Tierfotofestival in Lünen am Nikonstand wartete um meine Kamera reinigen zu lassen, kam ich mit einem „Kollegen“ ins Gespräch, der u.a. eine D700 mitgebracht hatte und die Kamera in höchsten Tönen lobte. Bis dahin hatte ich dieses Modell nicht in meinen Überlegungen berücksichtigt.

Negatives liest man eigentlich nicht über die D700. Oder, wie der Kollege mit Ironie formulierte: „Das letzte Modell das Nikon auf den Markt gebracht hatte das ohne Rückrufe oder Nachbesserung von Anfang an funktionierte.“

Vorteile:

  • stabiles, solides Gehäuse, abgedichtet.
  • Bequeme Bedienung ohne Doppelbelegung der Tasten.
  • Hohe Bildfrequenz bis 8 B/sec!
  • Hoher Kaufpreis, Wertverlust hat die Kamera weitestgehend hinter sich.

Nachteile:

  • Keine Videofunktion
  • „nur“ 12 Megapixel

Verkauf des D7000 Gehäuses stand nie zur Debatte, da ich die „Telewirkung“ des DX-Sensors nicht mehr missen möchte. Außerdem ist es bei Fernreisen sinnvoll ein Ersatzgehäuse mitnehmen zu können. Also habe ich bei Bedarf eine Videofunktion. 12MP reichen mir, das muß aber jeder selber entscheiden, hier kommt es gerne zu Glaubenskriegen.

Gebrauchtangebote gibt es genug, teils allerdings mit sehr hohem Stand des Bildzählers und trotzdem hoher Preisforderung. Mit etwas Geduld bekommt man leicht eine Kamera aus Privatbesitz oder als Ersatz im Studio gelaufen. Bei 150.000 spezifizierten Auslösungen ist für einen Privatmann alles unter 60.000 bis 70.000 mehr als unkritisch.  Meine hatte nur 6400 Auslösungen „weg“ und sieht wie neu aus!

Nach dem Auspacken: Ist schon was ganz anderes als eine D7000. Eine echte Männerkamera eben. Der Sucher ist allerdings wirklich ein Gedicht, riesig, war an meine alte F90 erinnert.

So viel anders ist die Bedienung nicht, man hat halt für jede Funktion einen Button oder Schalter, die Symbole sind aber identisch, größere Umgewöhnung zwischen den Kameras ist unnötig.  Vom Handling her ist Kamera trotz der Größe perfekt, faßt sich gut an, ist halt eine echte Männer… ach ja, ich wiederhole mich.

Nach dem ersten Urlaub und den ersten 1000 Bildern bin ich sehr zufrieden, besonders bei hohen ISO-Werten. Wer also in Vollformat einsteigen möchte sollte die D700 ernsthaft in Erwägung ziehen!

(alle Bilder mit Sigma 35mm/f1.4 Art)

Bekannte Straßenbahnlinie in Lissabon

Bekannte Straßenbahnlinie in Lissabon

M/S Rotterdam: Unser Domizil in Lissabon

M/S Rotterdam: Unser Domizil in Lissabon

Mittelmeer-20151127-788

Details des Uhrenturms auf der M/S Rotterdam

Details des Uhrenturms auf der M/S Rotterdam

[1] Sandra Petrowitz: 103.514 – eine Hommage an die Nikon D700, fotoespresso 5/2015, S. 27

4 thoughts on “Loblied auf die Nikon D700

  1. Guten morgen,

    Bin zufällig auf Deine Seite gestoßen, ich selber fotografiere schon viele Jahre D60,D90,D7100 und jetzt seit 3Monaten mit einer guten gebrauchten D700.Was soll ich sagen es war die beste Entscheidung. Auch was das Rauschen betrifft schlägt sie meine D7100, auch wenn das in Tests und Forums anders gesagt wird,es bleiben einfach mehr Details erhalten ab ISO 3200 auch die Farben sind noch richtig gut bis ISO 6400 richtige Belichtung vorausgesetzt. Habe mir jetzt auch das Sigma 35 Art geholt,der Hammer an beiden Kameras,aber auch da muss das Licht wieder Stimmen bei der D7100 es ist und bleibt eine Diva,die D700 gibt sich da keine Blöße… tja liegt halt auch an den 12 MP. 24MP an Dx ist schon mehr als Grenzwertig.Hattest Du Fokusprobleme mit dem Sigma?Hab jetzt die Erfahrung gemacht das bei der D700 eigentlich fast immer paßt, aber bei beiden Cams fast immer überbelichtet muss das es passt.

    Marcel

    • Mit meiner D7000 stimmte der Fokus mit dem Sigma auf Anhieb, bei der D700 hatte ich geringen Backfocus – allerdings brauchte auch mein Nikon 50mm/1.4 etwas Korrektur. Ansonsten schön zu hören das Du mein Entscheidung für die D700 bestätigen kannst.

      Gruß, Rainer

  2. Hallo Zusammen
    Bin auch zufällig auf diese Seite gestoßen. Ich habe auch eine ältere d700 erworben und bin auch mega gespannt was diese Kamera kann, ich suche jetzt noch ein gutes Objektiv (vielleicht das 50 mm Nikon Nikon AF-S Nikkor 50 mm f/1.8 G) was mein Ihr?
    Ich melde mich wenn die ersten Tests gelaufen sind.

    • Ein gutes Normalobjektiv lohnt IMHO immer, schon wegen der geringen Kosten und der Lichtstärke.

      Sehr zufrieden bin ich mit dem Tamron 28-75mm/2.8 in der alten Version ohne Motor – die Probleme wie Verzerrung und Randabfall lassen sich ja problemlos später korrigieren.

      Naja, und das Sigma 35/1.4 ist ein Muß an einer Vollformat DSLR – aber da spielen wir ja in anderer Preisliga

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.