Plattenspielerumbau von DIN auf Cinch Stecker

Heutzutage gibt es ja kaum noch einen Verstärker mit DIN-Buchsen zum Anschluß eines Plattenspielers. Also mußte mein Dual CS  721 auf Cinchstecker umgebaut werden. Zuerst das System abbauen – Tonarmgriff nach hinten drücken und dabei festhalten, es fällt dann nach unten heraus  und den Antiresonator entfernen. Anschließend löst man erst die Transportsicherungsschrauben, kippt sie zur Seite und kann so das Chassis aus der Zarge entnehmen. Umdrehen und vorsichtig auf 3-4 Holzböckchen lagern.

Hier versteckt sich der Kurzschliesser und das Anschlußterminal:

Abdeckung Anschlußterminal

Abdeckung Anschlußterminal

Mutter lösen und Abdeckung abnehmen:

 

Anschlußterminal vor Umbau

Anschlußterminal vor Umbau

Die beiden vorderen Anschlüsse sind Masse des Tonabnehmers, die hinteren Signal, jeweils oben links und unten rechts. Anders als im Politik und Seefahrt sind links nicht die Roten, sondern das rote Kabel führt das rechte Signal. Der zentrale Anschluß ist Gehäusemasse und hier mit Masse links und rechts des Tonabnehmers verbunden. Diese Verbindungen zunächst abkneifen oder ablöten.

Kabel orginal

Kabel orginal

Kabel nach Umbau

Kabel nach Umbau

 

 

 

 

 

 

Nach Entfernen des Schrumpfschlauches kann man die Abschirmung auftrennen, der Stecker kann bleiben. Anschließend alles schön mit neuem Schrumpfschlauch isolieren. Leider hatte ich keinen passenden Stecker – typisches Sonntagsproblem – und habe die eine Abschirmung angelötet.

 

Anschlußterminal nach Umbau

Anschlußterminal nach Umbau

Für die Gehäusemasse legt man jetzt ein eigenes Kabel, das man z.B. an der Schelle zur Zugentlastung festschraubt. Jetzt noch den Stecker abschneiden und zwei Cinchstecker anlöten. Stecker guter Qualität liefert Neutrik unter der Nummer NYS373 für ca. 2€/Stück. Man muß allerdings mit Schrumpfschlauch das Kabel etwas verdicken, sonst greift die Zugentlastung nicht.

Muß man das Kabel austauschen? Meiner Meinung nach nicht. Die gemessene Kapazität liegt bei etwa 150 pf – die Gesamtkapazität für eine Shure M15-III sollte bei ca. 500 pf liegen. Eventuell also im Stecker noch einen kleinen keramischen Kondensator parallel löten.

11 thoughts on “Plattenspielerumbau von DIN auf Cinch Stecker

  1. Hallo,

    gute Beschreibung. Bei ebay habe ich für kleines Geld einen Dual 1010 erstanden.
    Jetzt stehe ich unter Anderem vor der Aufgabe von DIN auf Chinch umzurüsten.
    Da ich noch absolut ahnungslos in dieser Sache bin, bitte ich um Hilfe wie ich dabei vorgehen muß.
    Das Chassis habe ich aus der Zarge ausgebaut und die „Verkleidung“ der Kabelanschlüsse entfernt.
    Das unisolierte Kabel ist doch das Erdkabel oder? Dann sind da noch ein gelbes und darunter ein rotes Kabel und alle mit kleinen Kabelschuhen aufgesteckt. Weiter gehen noch 2 Kabel vom Tonarm dorthin. Eines ist an einen freien Anschluß gelötet und das andere ist irgendwie darunter angelötet. Vom oberen Tonabnehmerkabel ist noch ein kleiner Draht an den Anschluß des Erdungskabels gelötet, wie auch vom Erdungskabel ein etwas stabilerer Draht mit dem Anschluß des unteren Tonabnehmerkabels verbunden, verlötet ist. Die Beschreibung ist eventuell etwas verwirrend aber besser kann ich es nicht beschreiben. Für Hilfe und eine Beschreibung der Vorgehensweise wäre ich sehr dankbar!!!
    Mit vinylistischem Gruß
    Uwe Kienle

    • Ein bißchen verwirrend ist die Beschreibung schon, aber nur ein ganz kleines bißchen…

      Interessieren muß Dich nur die linke Seite auf dem Foto 1, die rechte mit dem Kabel zum Tonabnehmer brauchst Du nicht anzufassen. Das unisolierte Kabel ist die Abschirmung der beiden Signalkabel, mach erstmal den schwarzen Schlauch ab, dann siehst Du das. Bisher hatte es zwei Aufgaben, die Abschirmung/Signalmasse und die Verbindung Gehäuse zum Verstärker herzustellen, diese Funktionen trennen wir jetzt auf. Die beiden hinteren Anschlüsse bleiben wie sie sind, hier ist Gelb = Links und Rot = Rechts, einfach hinterher wieder genauso aufstecken.

      Wenn Du Foto 1 vergrößert siehst Du eine ein schwarzes Kabel, von rechts von Tonarm kommend und an den zentralen Anschlußpunkt ziehend. Das Kabel so belassen, aber: die Drahtbrücke die zum vorderen, oberen Anschlußpunkt führt abkneifen! Jetzt haben wir die oben genannte Funktionstrennung durchgeführt. Um jetzt das Gehäuse mit dem Verstärker zu verbinden, nimmt man ein extra Kabel, das kannst Du an den zentralen Anschlußpunkt führen, jede andere Stelle am Gehäuse in der Nähe geht auch, ich habe es an die Zugentlastungsschelle geführt. Am anderen Ende kommt ebenfalls ein Kabelschuh, der dann mit der Masseschraube am Verstärker verbunden wird.

      Jetzt das Signalkabel vorbereiten, wie im Foto zu sehen die beiden Abschirmungen aufdröseln, an Stecker eine abkneifen und neuen Stecker anlöten, wieder etwas Schrumpfschlauch drüber sieht schöner aus. Kabelschuhe bei Reichelt, FSH-M1 2,8. Jetzt steckst Du alles wieder an, hinten oben Gelb, unten Rot (Signal), vorne oben Abschirmung Links, vorne unten Abschirmung rechts. Diodenstecker abkneifen, Cinchbuchsen anlöten, fertig.

      Alle Klarheiten beseitigt? 🙂

  2. Moin,

    >>..Eventuell also im Stecker noch einen kleinen keramischen Kondensator parallel löten…<<

    Wäre nicht ein Folien- Ko (Styro) eher angebracht? Kerkos sind doch bekannt für (unerwünschte) Alterungs- und Piezo-Effekte.
    Gruß Micha

    • Das gilt – so weit ich weiß – nur für Kermikvielschichtkondensatoen zu Abblockzwecken mit (gewünscht) niedriger Güte. Keramikkondensatoren mit hoher Güte werden u.a. in Schwingkreisen problemlos genutzt. Aber klar, mit Styroflex ist man auf der sicheren Seite.

      PS: Gerade mal nachgelesen, bei D. Self: „Very small capacitances present no great problem. Simply make sure you are using the C0G (NP0) type, and so long as you choose a reputable supplier, there will be no distortion. I say ‘reputable supplier’ because I did once encounter some allegedly C0G capacitors from China that showed significant non-linearity“ Er meint hier alles bis 1nF.

      • Genau, Du hast das Schlüsselwort „Vielschicht“ erwöhnt, das hatte ich vergessen. Dann dürften keine Unklarheiten mehr bestehen. Danke.

  3. Hallo,
    hoffentlich reagiert hier noch jemand 😉
    Habe mir vor Kurzem zwei Dual Plattenspieler auf Ebay geschossen, von dem der eine (Dual 521) eine neue Zarge und eine neue Verkabelung bekommt. Zum einen, wollte ich auf den DIN-Cinch-Apater verzichten. Ist sicherlich nur eine weiter Störquelle. Zum anderen habe ich etwas Probleme, wenn ich das Signalkabel (aktuell DIN-Cinch und dann mit Cinch zum Amp) in der Nähe von Stromkabeln liegen habe. Hier scheine ich je nach Lage deutlich 50Hz Brummen einzusammeln. Vielleicht sind meine Cinch-Kabel auch zu schlecht isoliert … aber der erste Schritt für mich wäre jetzt erst einmal der Umbau, damit ich direkt die guten Cinch Kabel am Plattenspieler einstöpseln kann.
    Wenn ich das richtig verstehe, ist bei der ursprünglichen Verkabelung die Abschirmung mit der Gehäusemasse zusammengelegt und zum 5 poligen DIN Stecker geführt, korrekt? Nach dem Umbau habe ich an jedem Cinch Stecker einmal Signal (einmal links und einmal rechts) und einmal Masse, korrekt? Die Masse entspricht hier der Abschirmung der Signalkabel. Um die Masse des Gehäuses nun noch mit dem Verstärker zu verbinden, wird ein Separates Erdkabel zwischen beiden Geräten verlegt. Ich hoffe ich habe das alles richtig verstanden. Welchen Vorteil hat es, die Abschirmung von der Gehäusemasse zu trennen? Hilft mir das auch bei meinem Brummproblem?
    Zudem habe ich von „Mantelstromfiltern gelesen. Könnten diese mir weiterhelfen, falls ich immer noch Brummen habe? Schließe ich diese gleich nach dem Dreher oder kurz vor dem Amp an?
    Und noch eine Frage zu dem Kondensator:
    Wo genau müsste ich diesen anlöten und warum? Muss ich vorher die Kapazität an einer bestimmten Stelle messen und daraufhin den Kondensator wählen?!
    Was waren jetzt viele Fragen, bin aber noch recht neu auf diesem Gebiet und hoffe hier Hilfe zu finden 😉
    Vielen lieben Dank!
    Florian

    • Hallo Florian,

      Du hast das richtig verstanden – du hast immer drei mal Masse – je einmal vom Tonabnehmersystem (R. und L.) und das Gehäuse. Ursprünglich sind diese im Plattenspieler am Anschlußterminal verbunden. Nach dem Umbau laufen Masse Tonabnehmer jeweils über eine Abschirmung und Gehäusemasse über das Extrakabel und werden erst im Verstärker verbunden. Das reduziert Brummeinstreuungen erheblich. Natürlich sollten die Kabel nicht parallel zu Stromkabeln liegen. An der Abschirmqualität liegt das nicht. Mantelstromfilter benutzt man um Masseschleifen aufzuheben die zB durch Antennenkabel enstehen, die helfen Dir hier nicht.

      Bezüglich der Kapazität: Tonabnehmer brauchen eine gewisse Kapazität, damit ein linearer Frequenzgang entsteht.
      Ist die Kapazität zu hoch, werden die hohen Töne bevorzugt. Du mußt also wissen welchen Abschluß dein Tonabnehmer braucht, das steht in den technischen Daten. Die Kapazität des Kabels kann man messen, so man ein passendes Meßgerät hat, oder ausrechnen sofern man die Kabeldaten kennt. Da steht immer wieviel Picofarad pro Meter Kabellänge. Und du mußt wissen wieviel Kapazität der Verstärker mitbringt.

      Sagen wir 200pF der Verstärker, 3 Meter Kabel je 50pF, wären ca. 350pf, würde bei meinem Shure (braucht 500pf) passen. Sollte es zu wenig sein im Cinchstecker einen kleinen Keramikkondensator zwischen beide Anschlüsse löten. Moderne Tonabnehmer brauchen aber meist weniger als 500pF.

      Hier ist noch eine Dual-Skizze: http://abload.de/img/tonabnehmerkabel_dual25sq5.jpg

      Gruß, Rainer

      • Hallo Rainer,

        super! Vielen lieben Dank für deine Antwort! Ich bin wirklich froh, dass es noch Leute gibt, die sich hiermit auskennen und solchen unerfahrenen Grünschnäbeln wie mir auf die Sprünge helfen 😀 Der Plattenspieler liegt gerade auf dem OP-Tisch und spuckt hoffentlich auch nach dem Umbau noch schöne Töne aus 😉

        Liebe Grüße
        Flo

        • Hallo nochmal,
          leider hat der Patient jetzt nur noch ein Bein bzw. einen Kanal 😉 Eine Seite funktioniert wunderbar und ohne Rauschen/Brummen und die andere hat dafür alles abbekommen, außer Ton :/ Zudem macht der Plattenspieler nun irgendwelche komischen „klacker“-Geräusche, sobald der Tonarm auf der Platte aufsetzt. Dem muss ich morgen mal in Ruhe nachgehen.
          Wenn du bereits eine Idee per Ferndiagnose hast, kannst du natürlich gerne schreiben.
          Liebe Grüße
          Florian

  4. Kurze Rückmeldung noch:
    Es funktioniert jetzt alles. Problem waren die leicht verbogenen Kontakte des Kurzschließers. Ein Kanal wurde immer auf Masse geschalten, egal bei welche Stellung des Kurvenrads. Das hatte zudem noch den unschönen Nebeneffekt, dass das Kurvenrad nicht ganz in seine „Ruheposition kam und die Ritzel des Drehtelers immer am ersten Zähnchen des Kurvenrads angeeckt sind. War ein sehr unschönes Geklacker.

    • Ah gut, hatte es noch nicht geschafft zu antworten. Ich hätte empfohlen vom Tonabnehmer ab mal alles mit einem Ohmmeter durchzumessen. Sehr schön, wieder ein Dual der noch viele Jahre laufen wird.

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