Fortsetzung: Defekter Pioneer CT-939

„Man sollte nie etwas wegwerfen….“ (Wahlspruch des Autors)

Nach Ersatz der Riemen meines Cassettendecks schien auf den ersten Blick alles zu klappen – etwas höhenbetonte Aufnahme – naja, mal neu Einmessen – aber sonst alles bestens.

Ich habe dann zunächst den Löschoszillator überprüft – ohne Fehler. Man sollte aber beachten, das der Grundabgleich von Löschfrequenz und Löschstrom bei eingelegter Metallbandcassette zu erfolgen hat. Alternativ den Mikroschalter manuell betätigen. Hierbei fiel mir auf das die Umschaltung auf FeO2 Kassetten nicht funktionierte.

Löschstrom

Das vorhandene Aufnahmen zu schnell liefen und der Capstanmotor auch sehr warm wurde habe ich nicht gleich bemerkt. Einstellen der Geschwindigkeit ging nicht mehr, also ist die Motorelektronik kaputt. Die Motoren sind erfreulicherweise Standardmodelle, haben eine eingebaute Drehzahlregelung und laufen mit 2400 Umdrehungen/Minute, meistens 12 Volt Speisespannung, gelegentlich auch mit 9V oder 6V. Die Drehrichtung ist CW (clockwise – im Uhrzeigersinn) oder CCW (counterclockwise – gegen den Uhrzeigersinn) – dies läßt sich schon mit einem Blick ins geöffnete Deck erkennen: weist die Motorachse in Richtung Front braucht man CCW, weist sie in Richtung Rückwand braucht man CW. Im Fundus fand sich dann noch ein passendes Exemplar, ausgebaut aus einem defekten Uher Recorder. Wer sich nicht an das einleitende Motto gehalten hat, suche nach “ EG-530AD“, der Motor läßt sich für wenig Geld in Fernost bestellen (wie haben wir früher ohne Internet und Auktionshaus eigentlich repariert?).

Also erneut das Laufwerk ausbauen, Klappenmechanik kann diesmal bleiben, nur diese Schrauben lösen:

CT-939-20151030-053

Das Anschlußkabel des Motors auslöten, das Antriebsrad habe ich mit einer Heißluftpistole erwärmt, dann ließ es sich leicht abziehen, und nach erneutem Erwärmen vorsichtig auf den Motor gepreßt.  Der neue Motor ist etwas größer als der alte, paßt aber problemlos:

Pioneer CT939-20160702-014

Das Gehäuse des Motors sollte an Masse gelegt werden, ich hatte sonst Störungen in der Bandsortenerkennung. Zum Einstellen der Bandgeschwindigkeit habe ich zunächst mangels Meßcassette einen 3150 Hz Ton auf einem anderen Gerät aufgenommen. Es gibt eine Möglichkeit mit Bordmitteln ein genaues Referenzband zu erstellen, das muß ich noch mal ausprobieren und werde dann erneut berichten.

Da das Laufwerk nun mal heraus ist, kann man auch der Ursache für die fehlende Erkennung von Eisenoxidkassetten nachgehen. Es stellte sich heraus das die Tastnase des Fühlers abgebrochen war:

Pioneer CT939-20160702-013

Hier einen Ersatz aus Kunststoff   zu stricken erscheint unmöglich. Also habe ich aus einem Aluwinkel ein schmales Stück herausgesägt und zurechtgefeilt und mit Sekundenkleber verklebt:

Pioneer CT939-20160702-017

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Jetzt steht dem Neuabgleich nach Handbuch nichts mehr im Wege. Der CT-939 entäuscht danach klanglich nicht!

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