Eine Reise mit Holland America Line auf der Nieuw Statendam

Da dies bereits unsere achte Kreuzfahrt ist, erlaube ich mir doch mal einen kommentierenden und etwas launischen Bericht. Wir sind mehr durch Zufall bei unserer ersten Kreuzfahrt bei Holland America Line gelandet, es hat uns aber so gut gefallen daß wir inzwischen “Three-Star-Mariners” sind. Wir würden nie auf kleinkinderhaft bemalte Schiffe gehen, und schätzen es auch sehr uns abends in angemessenem Umfeld und angemessener Kleidung niederzulassen und uns das Essen am Tisch servieren zu lassen. Umso besser wenn die Bedienung dann auch noch angemessen agiert und das Essen nicht einfach quer über den Tisch abwirft wie die studentische Hilfskraft zu Hause in der Stammkneipe. Letzterer kann ich das übrigens durchaus verzeihen. Nach zwei Reise mit Celebrity (Millenium bzw. Constellation) – im wesentlichen Zeit und Strecke geschuldet – kam bei uns doch der Wunsch auf mal wieder mit HAL zu reisen. Strecke und Zeit (Western and Eastern Carribean im November) paßte, neues Schiff ist auch mal schön, also gebucht.

Das Schiff

Das Schiff hat immer noch elegante Linien, eine richtigen Bug und wirkt durchaus noch etwas wie ein Ozeanliner vergangener Tage. Von der Aufteilung ein typisches Fincantieri-Schiff, mit dem Mittelteil mit Glasdach, das bei gutem Wetter geöffnet wird. Dem Reiseziel war es geschuldet, das wir hier fast nie gesessen haben, in anderen Weltgegenden haben wir diesen Bereich aber immer gerne genutzt. Die Möblierung mit Liegen, Tischen und Sitzmöglichkeiten ist sehr komfortabel und elegant. Auf anderen Schiffen haben wir es erlebt das die Liegen dicht an dicht standen und man mühselig von vorne heraufkrabbeln mußte. Am Heck hinter dem Büffetrestaurant immer noch ein großer offener Decksbereich zum Essen oder Liegen, man kann auch weiterhin an der Heckreling stehen und auf das Meer schauen. Die Inneneinrichtung ist hell, freundlich und behutsam modernisiert, allgemeine Meinung war “such a beautiful ship”, der wir uns voll anschließen können. Auch räumlich großzügig, man fand z.B. im Büffetrestaurant praktisch immer sofort einen Platz, und das lag nicht daran das alle draußen gesessen haben. Amerikaner frühstücken ungern im Freien!

Die Kabinen ebenfalls in hellem Holzton, gefühlt nicht kleiner geworden, Ablage und Staumöglichkeiten in den Schränken aber weniger als gewohnt, wir mußten etwas überlegen haben dann aber alles gut unterbekommen. Es gibt am Tisch zwei 220V-, drei 110V- und eine USB-Steckdose, an den Nachtschränkchen je eine 110V- und eine USB-Steckdose. Da man ja heute überwiegend überwiegend über USB lädt kommt man eigentlich ohne den Dreifachstecker aus den ich immer mitnehme.

Der gute Eindruck ändert sich deutlich wenn man das “World Stage Theater” betritt. Der Name Theater führt in Irre, es ist ein Kinosaal, keinerlei Charme ausstrahlend. Schwarze Wände und tragende Säulen, Klappsessel, ein Bühne, Scheinwerfer, aber keine erkennbare Bühnentechnik. Verschwunden die Holzvertäfelung, die Ledersessel, die kleinen Tischchen für Getränke und die indirekte Beleuchtung. Nein, ein Glas Wein kann man hier nur auf dem Boden abstellen….. Was bekommt man hier zu wohl zu sehen?

Service und Essen

Gewohnt zuvorkommend, freundlich und perfekt. Große Lob an die Crew! Im Büffetrestaurant ist immer jemand hilfsbereit einem mal eben ein Glas Orangensaft abzufüllen oder Kaffee nachzuschenken. Unsere Kabinenstewards stellten sich rasch auf unsere Gewohnheiten ein, die Kabine immer wieder perfekt aufgeräumt und das Bad gesäubert, zudem machten sie sich einen Spaß daraus uns immer mal mit ein paar Brocken Deutsch zu erfreuen. Sie haben sich ihr Extratrinkgeld redlich verdient.

Das Essen ist weiterhin auf gewohntem HAL-Niveau, sehr gut bis excellent ohne daß man in eines der kostenpflichtigen Restaurants gehen muß. Wer mag kann frühstücken “typisch deutsch” mit einem Vollkornbrot das jedem heimischen Kettenbäcker die Schamesröte in das Gesicht treiben muß.

Hier aber gleich das erste größere “aber”: Weinpreise pro Glas fangen bei ca. 10$ für ein Glas Pinot Grigio an – die Flasche kostet dann fast 45$! Und wir reden hier von einem allenfalls trinkbaren Wein, die Flasche dürfte beim Discounter zu Hause so um 2,99€ liegen. Zusammen mit dem Verfall der Euroweichwährung und einem Dollarkurs von fast 1:1 ist das schon ein heftiger Kostenfaktor.

Dutch Café

Unverändert vorhanden ist die auf anderen Schiffen vermißte Tageszeitung, liest man neben der deutschen Ausgabe auch die amerikanische und englische Ausgabe ist man stets gut informiert.

Leider ist das Tagesprogramm inzwischen sehr knapp geraten. Keinerlei weitergehende Informationen, insbesondere zu den externen Künstlern. Wenn man Glück hat steht da noch “Magicien”, wenn man Pech hat nur der Name des Künstlers. Ich bin mir sicher das nicht mal alle aus den Staaten die Künstler kennen, geschweige denn ein Kanadier oder Australier. Aber halt, da gibt es doch jetzt die App! Hier sind allerdings genau die selben Informationen vorhanden. Ich würde dann zumindest in der App bei Anklicken weitergehende Informationen, besser noch einen kurzen Film der den Künstler vorstellt wünschen. So ist die App absolut sinnlos, zumal ich die Rechnung und das Buchen von Ausflügen leichter über den Kabinenfernseher erledigen kann. C’m on HAL, ist das Euer Ernst?

Unterhaltung an Bord

Das ist jetzt das Kapitel das uns wirklich ratlos zurückläßt. Es gibt im Prinzip nur zwei Stationen an denen abends Musik gespielt wird: Erstens “Billboard on board”, 2 Klavierspieler mit breitem Repertoire quer durch die gesamte Popgeschichte und gegenüber der “Rolling Stone Rock Room” mit, ja eben, Rock, und zwar laut, besser sehr laut, man kann nicht sitzen und sich noch unterhalten. Beide Stationen liegen direkt gegenüber und werden abwechselnd im 3/4 Stundentakt bespielt. Zweitens gibt es noch eine Bühne mit großer Tanzfläche, abwechselnd als “Lincoln Center Stage” oder “B.B. King’s Blues Club” genutzt. Die erste Nutzung bedeutete dann klassische Musik, mit zwei Geigen, einem Violoncello, einem Cello und einem Klavier umfangreich und erstklassig besetzt, Brahms, Beethoven, Bach, auch mal lateinamerikanische Tangos o.ä., zumeist am Nachmittag bis frühen Abend. Danach dann nur noch Blues, R&B und Soul, man ahnt es schon, sehr laut. Gelegentlich läuft da auch mal Musik vom Band.

Und im “Theater”? Manche Abende gar nichts oder einfach nur ein Film, einmal ein Zauberer, dreimal in 14 Tagen die gleiche, schlechte Imitatorin anderer Sängerinnen, und eine Band als “Postmodern Jukebox”, ein Konzept das ich nicht verstanden habe, aber wohl bedeutet alle möglichen Hits im Stil einer Epoche umzumodeln. Zu 75% der Abende lohnte der Besuch nicht. Bei effektiv nur zwei abendlichen Stationen mit Unterhaltung war es auch immer sehr voll. Man mußte 10-15 Minuten vor Beginn kommen um noch einen Platz zu bekommen. Es standen auch immer viele Gäste auf dem Flur.

Das war es dann leider. Kein Sänger mit Gitarre, der auf Zuruf liebgewordene Hits singt. Keine Steeldrum am Pool – wir sind in der Karibik! – der auch mal Weihnachtslieder auf der Steeldrum bringt – es ist erster Advent! Im Café oder im “Crowsnest” oder sonst auf dem Schiff keine Livemusik! Tanzmusik ebenfalls Fehlanzeige.

Da hatte man auf kleineren Schiffen wie der Zaandam, mit der wir um Kap Hoorn unterwegs waren mehr Auswahl. Eine Kapelle mit tanzbaren Hits, von echtem “Ballroom Dancing” über Discofox bis Abzappeln für alle etwas dabei. Oder Tango und Milongavorführungen, einen excellenten Bandoneonspieler – wir sind in bald in Buenos Aires! – und wenn einem das alles nicht gefiel fand man sicher irgendwo noch einen Musiker der etwas Passendes spielte. Natürlich mußte man sich schon mal im Theater bei “Nessun dorma” oder “Somewhere” die Ohren zu halten, und auch nicht jede Abba-Revivalshow war große Klasse – aber immerhin. Wenn die beiden Klavierspieler hier ihren freien Abend hatten und im Theater war nichts sind wir einfach auf die Kabine gegangen und haben einen Film geguckt.

Fazit

Noch mal Nieuw Statendam? Wohl kaum, es sei denn es ist eine ganz besondere Route die ich anders nicht bekommen. Noch einmal HAL? Ja, wenn Route und Zeit passen, aber sicher nicht “wegen HAL”. Ich sehe ja ein daß das Konzept modernisiert werden muß, da die klassische Klientel wegstirbt. Gerne an einer Ecke laut und rockig, für die die es mögen, aber auch Alternativen. Bei diesem Sparkonzept paßte das subjektive Preis-Leistungsverhältnis nicht mehr.

Wir sehr sich alles geändert hat sah man auch an der Kleidung: “Smart Casual” heißt inzwischen daß ich in kurzer Hose und T-Shirt sowie Sandalen in das Bedienrestaurant gehen kann. Einen Gast habe ich gesehen, der hatte die ganze Zeit seine Baseballkappe auf. Aber immerhin richtig herum! Was will man machen. Eigentlich fühlte ich mich für Phönix noch etwas zu jung….

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