Portabler Cassettenrecorder Sony TC-D5

Schaut man sich die Preise für die hochwertigeren “Walkman” bei Ebay an, ist man immer wieder erstaunt. Aus nostalgischen Gründen oder als Sammelobjekt sind die sicher sehr geeignet. Bei vielen Geräten muß allerdings das gebrochene Zahnrad gewechselt werden, keine ganz einfache Aufgabe. Ich möchte aber doch bezweifeln das die Geräte in ihrer ursprünglichen Funktion als mobile Abspielgeräte genutzt werden. Ehe ich im Urlaub zahlreiche Kassetten mitschleppe nutze ich dann doch lieber das “Handy”. Um im Garten oder auf dem Balkon analog Musik hören zu können kommen noch ein paar andere Geräte in Frage. Auftritt des Sony TC-D5!

Kurze Geschichte des Sony TC-D5:

Die erste Version kam 1978 auf den Markt. Der Antrieb beruht auf einem Schwungrad, das über ein Kegelrad von einem Gleichstrommotor angetrieben wird. Dadurch wird eine flache Bauform erreicht. Die Lauffläche des Schwungrades ist mit Gummi beschichtet um eine Dämpfung zu erreichen. Die Geschwindigkeit des Schwungrades wird über eine Spule gemessen und der Regelelektronik zugeführt. Die Zeitkonstante ist perfekt bemessen, selbst stärkste Bewegungen um die Hochachse des Rekorders führen nicht zu hörbaren Geschwindigkeitsschwankungen. Im Inneren des Gerätes findet sich ein Stahlrahmen, die Außenseiten sind aus Metall, teilweise mit Gummi als Stoßdämpfer beschichtet. Um professionellen Ansprüchen zu genügen, finden sich große VU-Aussteuerungsmesser sowie ein zuschaltbarer Limiter. Die Kopfhörerbuchse ist als 6,3mm Klinkenbuchse ausgelegt. Betrieben wird das Gerät mit 2 Monozellen, ähnlich wie später im TCD-D10 nutzt Sony einen Spannungswandler um +-9V für die analoge Elektronik zu erzeugen. Ursprünglich für Fe und CrO2 konnte das nächste Modell, der TC-D5M auch auf Metallkassetten aufnehmen, um den Preis eines erhöhten Stromverbrauches sowie eines wenige abschliffresistenten Kopfes.

Folgende Anschlüsse sind vorhanden:

  • TC-D5 und TC-D5M: Input – Cinch und Klinke für Mikrofon; Output – Cinch; Kopfhörer – Klinke
  • TC-D5 Pro und ProII: Input – XLR für Line in und Mikrofon; Output – Cinch; Kopfhörer – Klinke

Die Versionen TC-D5, TC-D5M und TC-D5 ProII haben rechts eine Buchse für eine externe Spannungsversorgung, die Version “Pro” hat an dieser Stelle einen Stereo-Mono-Umschalter.

Mit dem TC-D5 gelang es in den Rundfunkanstalten die tragbaren Tonbandgeräte abzulösen. Die Robustheit und der gute Klang waren wesentliche Punkte [1] (S.196ff). Ich vermute die Herkunft meines Gerätes auch in einer großen Rundfunkanstalt hier in NRW.

Wechsel der Riemen und der Bandandruckrolle (Pinch Roller):

Das Gerät war mäßig gebraucht, mittlere Abnutzungspuren überwiegend an den Kanten der Frontsektion. Rechts fand sich – untypisch für die Version “Pro II” – ein Umschalter für Mono-Stereo anstelle der Stromversorgungbuchse. Der verwendete Zeichensatz der Beschriftung paßte aber gar nicht zum Rest des Rekorders, so daß ich rasch überzeugt war daß der Schalter nachgerüstet wurde. Ein Funktionstest zeigte zwar deutliches Leiern, insgesamt aber keine groben Defekte.

Öffnen des Gerätes ist einfach, zuerst die Schrauben aus Deckel und Boden lösen und beide entfernen. Jetzt je 2 Schrauben rechts und links an der Frontplatte lösen, dann kan diese auch abgenommen werden. Der Limiter-Schalter ist mit der Frontplatte über einen Winkel verschraubt und muß ebenfall abgeschraubt werden. Jetzt die Kassettenfachklappe lösen und aus der kleinen Feder links lösen. Wenn man jetzt noch die Kunststoffabdeckung des Kassettenfaches löst ist alles zu überblicken.

Ich habe dann zuerst die Gummiriemen gewechselt. Um die Bodenplatine hochheben zu können müssen links unten die beiden Drähte (Gelb/Schwarz) am Spannungswandler abgelötet werden. Jetzt kann man die Platine hochklappen. Wenn man die drei Schrauben des Motorblockes löst, rutscht dieser durch die Federwirkung etwas nach hinten und man kann den Riemen des Schwungrades wechseln. Die anderen Riemen lassen sich ohne Demontage wechseln. Jetzt das Gerät wieder umdrehen und zuerst den Hebel über der Andruckrolle entfernen, der die Pausefunktion vermittelt. Dafür muß der Sprengring gelöst werden. Am besten dreht man sich den so, das ihn mit einem kleine Schraubendreher seitlich auf dem Hebel verschieben kann. Fällt er herunter auf die Hauptplatine sucht man lange. Feder aushaken und Hebel nach oben abziehen. Ein weiterer Sprenring hält die Andruckrolle mit Halterung fest und muß ebenso wie die dazugehörige Feder gelöst werden. Hat man die Andruckrollenmechanik in der Hand läßt sich die Achse leicht nach oben herausdrücken und eine neue Andruckrolle einsetzen.

Rückbau des Schalters:

Um den Schalter auszubauen muß man die kleine obere Platine mit dem Aufnahmeverstärker lösen und Hochklappen sowie die kleine Platine mit dem Schalttransistor und die XLR Buchsen losschrauben. Jetzt kann man die Kunstoffabdeckung noch vor ziehen und den Stahlrahmen mit dem Schalter anheben. Der Schalter ist definitiv nachgerüstet, wie das folgende Bild zeigt. Auf der Platine ist eine Bahn unterbrochen – der linke Draht hat sich schon von der Lötstelle gelöst:

Das ist die Verbindung zwischen C105 und C116:

 

Steht der Schalter in Stellung “Stereo” wird die Verbindung wieder geschlossen. In Stellung “Mono” wird C116 mit der Verbindung zwischen C205/C216 des rechten Kanals verbunden, so daß das Signal des rechten Kanals auf beiden Spuren aufgezeichnet wird. So ist das Gerät kompatibel zur Vorversion. Ich denke daß das den Rundfunkanstalten wichtig war um möglichst hohes Signal/Rauschverhältnis zu erreichen. Also einfach die Drähte ablöten und die unterbochene Lötbahn mit Lötzinn wieder verbinden.

Jetzt den Schalter ausbauen, dabei die beiden kleinen Schräubchen gut aufheben. Die Buchse hat die Bestellnummer HEBG 21 bei Reichel, Minus liegt am Stift, Plus wird geschaltet. Der gelbe Draht vom Plusanschluß des Batteriekastens muß von der Platine gelöst werden und kommt an die Buchse. Weiterhin muß die Buchse mit den passenden Anschlüssen der kleinen Platine verbunden werden. Die Buchse muß dann mit den Schräubchen befestigt werden, die Bohrungen passen. Mit einem Ohmmeter einmal die Verkabelung überprüfen bevor man an den Zusammenbau geht.

Zuerst die Stromversorgungkabel zum Spannungswandler anlöten und die Platine einsetzen. Von oben kontrollieren das der Aufnahme-Wiedergabeschalter korrekt von der Mechanik mitgenommen wird. Dann erst die Hauptplatine festschrauben.

Die restlichen Arbeiten sind jetzt kosmetischer Natur: Alles säubern, Polieren der Kunstoffabdeckung des Kassettenfaches und der VU-Meter mit Xerapol o.ä. Die abgeschliffenen Stellen der Frontplatte habe ich mit einem Ausbesserungspinsel vorsichtig nachlackiert, das sieht man hinterher kaum mehr.

Klanglich ist das Gerät auf Spitzenniveau eines GX-75 oder CT939, mit erstaunlich geringem Rauschen trotz der Tatsache daß es “nur” Dolby-B als Rauschunterdrückung hat. Wie sprach Techmoan: “I’m a sucker for those bouncing VU needles”. Stimmt, ich auch!

Wer noch ein Netzteil braucht sollte in die Kiste mit den alten Steckernetzgeräten schauen. Ein für Nokia-Handys vorgesehenes Netzteil mit 5,7V/800mA funktioniert nach Steckertausch perfekt.

 

[1] P. Fruth, Record.Play.Stop.–die Ära der Kompaktkassette: eine medienkulturelle Betrachtung, {Transcript}.
[Bibtex]
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abstract = {1963 kam der erste Kassettenrekorder auf den Markt: unscheinbar beige-grau, batteriebetrieben und so handlich, dass er in eine Manteltasche passte. In den Jahrzehnten danach eroberte die Kassette in einer stürmischen Erfolgsgeschichte den Alltag der Menschen - etwa als Mixtape, Demoband oder Sprachlernkassette. Eine Kassettenkultur entstand: Mit Walkman, Ghettoblaster und Autoradio waren die Medien plötzlich überall dabei. In einer kurzweiligen und unterhaltsamen Studie spürt Pia Fruth der Geschichte der Kassette aus verschiedenen Perspektiven nach. Mit der Auswertung neuer Quellen, die von internen Materialien der Firma Philips bis zu Zeitzeugen-Interviews reichen, schliesst sie eine Lücke in der bisherigen Forschungsliteratur},
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